Die Landesregierung in Hessen plant Kürzungen bei der Lehrerausbildung. Ab Februar würden dann 75 von circa 740 Stellen wegfallen, ab August weitere 75. Ausbilder sollen zudem für die Betreuung der Referendare weniger Zeit bekommen und dafür sechs Stunden pro Woche selbst unterrichten.

Kritiker sehen dadurch die Gefahr, dass Hessen schlechtere neue Lehrer bekommt. Zu den Kritikern zählen Vertreter der Lehrerverbände und Personalräte sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auch Politiker der Opposition fordern die Landesregierung auf, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet.

Angehende Lehrer würden schlechter auf das Unterrichten vorbereitet. Konfliktbewältigung und Unterrichtsgestaltung lerne man nicht im Studium, sondern im Referendariat. Wenn Referendare in ihrer praktischen Ausbildung nicht mehr ausreichend unterstützt würden, führe das dazu, dass sie keinen guten Unterricht machen und schlechte Noten verteilen würden.

"Rechentricks"?

Hessen brauche bessere Bedingungen in der Lehrerausbildung und nicht schlechtere, sagte der GEW-Vorsitzende Jochen Nagel. Die Sparvorhaben der Regierung seien deshalb das falsche Signal.

Außerdem werfen die Kritiker den Mitarbeitern des Kultusministeriums vor, durch "Rechentricks" falsche Tatsachen vorzutäuschen. Die Zahl der Lehrer würde nur rechnerisch um 150 Stellen steigen. Doch die Ausbilder, die demnächst mehr unterrichten sollen, würden aufgrund von Zeitüberschneidungen nicht alle vorgesehenen Unterrichtsstunden leisten können.

Ein Lehrer und ein Schüler vor einer Tafel.

Weitere 300 Stellen würden zudem nur statistisch geschaffen. Doch in Wirklichkeit kämen kein neuer Lehrer und keine zusätzliche Unterrichtsstunde an die hessischen Schulen, meinen die Kritiker.

Ein Sprecher des zuständigen Ministeriums wies die Vorwürfe zurück. Die Ausbildung würde praxisorientierter und qualitativ sogar besser werden. Außerdem verwies er darauf, dass die Referendarzeit nur noch 21 Monate statt einst 24 Monate beträgt. Das würde den Ausbildungsaufwand um ein Achtel reduzieren.