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Das war notwendig geworden, denn die Landesregierung hatte die Investitionen in Bildung und Kultur drastisch gekürzt. So sind z.B. 40 % der Grundschulen geschlossen bzw. in Dependancen verwandelt, die Wege für die Kinder weiter und die Klassen größer gemacht worden. Trotz zweier Großdemonstrationen mit über 10.000 Teilnehmern, gegen eine große Bürgerbewegung und gegen 30.000 Bürgerinnen und Bürger, die einen Antrag der Initiative für ein Volksbegehren unterstützt haben, alles damals organisiert von uns als Landesinitiative Rettet die Grundschulen. So sind z.B. die Haushaltsmittel des Saarländischen Staatstheaters in einer Höhe reduziert worden, dass es zur Schließung eines Hauses und Verringerung des Angebots kommen musste. Während die Ausgaben für Lehrpersonal an Schulen und vorschulischen Einrichtungen von 1998 bis 2005 um 8,6 % gestiegen sind, wurden für Polizei 11,7 % und für politische Führung 20 % mehr ausgegeben.
Das Saarland hat unter den westlichen Bundesländern in der frühkindlichen Bildung den geringsten Anteil pädagogischer Fachkräfte mit Fachschulabschluss sowie des hochschulausgebildeten Personals. Unter allen Bundesländern hat es (mit Hamburg) die höchsten Anteile (über 20 %) an frühen Schulabgängern, eine über dem Durchschnitt liegende "Sitzenbleiberquote", nach Bayern (22,7 %) die zweiniedrigste Abiturquote (25,9 %), die wenigsten Abschlüsse im Sekundarbereich II und die geringsten Anteile der Bevölkerung mit Hochschulabschluss (nur 11 %). Im Saarland erreichen nur 24 % der ausländischen Schüler, die eine Schule abschließen, den mittleren Bildungsabschluss, nur 6,6 % das Abitur. Das ist in beiden Fällen das zweitschlechteste Ergebnis in Deutschland. Wir haben nach Bayern das schlechteste ganztagsschulische Angebot in Deutschland in allgemein bildenden Schulen. "Es läuft etwas falsch im Land", ist unsere Bilanz. Deshalb: "Die schulische Bildung unserer Kinder braucht eine stärkere öffentliche Lobby."
Wir meinen: In dem Maß werden das Saarland und die Region Zukunft haben, wie es gelingt, die Bildung von Kindern weiterzuentwickeln und Orte zu kultivieren, an denen Wissen, Kompetenzen und Ideen gedeihen. Kinder sollen Eigeninitiative, Unternehmensgeist, Teilhabe und Mitverantwortung sowie eine demokratische Kultur des Zusammenlebens erlernen und erleben. Dafür treten wir aktiv ein und schaffen darüber hinaus Eltern ein offenes Forum, ihre eigene Kompetenz hierfür zu erweitern und einzubringen. Wir veranstalten Workshops, Vorträge, Expertengespräche, Vorführungen von Dokumentationen und öffentliche Diskussionen. Wir unterstützen tatkräftig die Erklärung von Hofgeismar des Schulverbundes "Blick über den Zaun" (www.blickueberdenzaun.de).
Zusammen mit der Stiftung Demokratie Saarland und in Kooperation mit der Gesamtlandeselternvertretung sowie der Gesamtlandesschülervertretung loben wir jährlich einen "Saarländischen Schulpreis" aus - mit 20 000 Euro dotiert, am Beispiel des Deutschen Schulpreises der Robert Bosch Stiftung. Mit dem Schulpreis wollen wir vorbildliche pädagogische Leistung auszeichnen und damit einen wichtigen Impuls in der Entwicklung von Schule und Unterricht im Saarland setzen. Parallel zum Saarländischen Schulpreis veranstalten wir zwei- bis dreimal jährlich ein "Bildungsforum zum Saarländischen Schulpreis", das sich mit Themen wie Innovationen in der Schulentwicklung und Verbesserung schulischer Bildung beschäftigt. Bisherige Beispiele: Dr. Annemarie von der Groeben "Was ist eine gute Schule? - ein Beitrag zum Diskurs über Erziehung und Bildung"; Prof. Heinz Günter Holtappels "Ganztagsschule - Chancen für die Entwicklung von Lernkultur und Förderung"; Prof. Anne Ratzki "Jeder Schüler ist anders. Vielfalt wertschätzen - individuelles Lernen fördern: Können wir von der nordischen Kultur lernen?".
An die Abgeordneten im Landtag des Saarlandes haben wir eine "Petition für bessere Bildung" gerichtet. Denn wir brauchen im Saarland mehr Zuwendung für die Kinder und Jugendlichen an den Schulen und eine bessere Förderung ihrer Potenziale, den Abbau struktureller Barrieren, die Chancenungerechtigkeit verstärken, ein flächendeckendes Angebot an Schule über den ganzen Tag. Bessere Bildung liefert doch den zentralen Schlüssel für die meisten gesellschaftlichen Probleme, ob Integrationsmisere oder Fachkräftemangel, Armut oder Demografiekrise.
Saarbrücken, im April 2008
Bernhard Strube
Sprecher der Landeselterninitiative für Bildung e.V.