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Ich sage Lehrer. Wenn ich 100 Lehrer befragen würde, was das Wort LEHREN bedeutet, bekäme ich ziemlich wahrscheinlich von an die 98 verkehrte Antworten. Lehrer machen heute zumeist das gerade Gegenteil von LEHREN, und das den ganzen Tag. Ist es da so erstaunlich, dass sie auch ständig das Gegenteil erreichen? Wieso untersuchen sie nicht mal, ob das an der Qualität dessen liegt, was sie tun. Die Qualität ist zwar sehr oft spitze, aber nur im Hinblick auf formale Vorschriftsmäßigkeit. Eine perfekt gemachte SCHABLONE muss aber noch lange nicht MENSCHLICH VERTRÄGLICH sein.
Es ist einfach nur stur primtiv, wenn Lehrer jeden Nachmittag zu Hause für den nächsten Vormittag wieder genau die SCHABLONE konstruieren, von der sie doch wissen, dass sie damit jedesmal gescheitert sind und auch weiter scheitern werden. Für diese sture Dummheit dann auch noch den Schwarzen Peter weiterzuschieben, das zeigt, wie sehr man selbst noch ein "ewiger Musterschüler" ist, der in seinem Tun nicht über den formalen Auftrag hinauszudenken vermag.
Um aber selbst souverän handeln zu lernen, bräuchte man in der Lehrerausbildung erst einmal Leute, die das vormachen können. Was kann man von Papiertigern anderes lernen, als sich selbst stundenlang mit "Unterrichtsvorbereitungen" zu quälen, um dann seine Schüler damit zu quälen. Die aber sind doch einmal in die Schule gekommen um zu LERNEN. Nicht um was vermittelt und begebracht zu bekommen, nicht um sich jeden Tag unterwerfen und einfügen zu müssen sondern UM ZU LERNEN.
LERNEN kommt von germ. LAISTI = DIE FÄHRTE und bedeutet EINE FÄHRTE DES LEBENS VERFOLGEN, ERFAHRUNGEN MACHEN.
Einen wirklichen LEHRER unterscheidet vom Lernzielvollstreckungsbeamten, dass er selbst LERNT = auf interessanten Fährten des Lebens unterwegs ist und ihn das so begeistert,dass es andere ZIEHT, ihm von sich aus zu FOLGEN. Sich selber jeden Tag a) als Unterrichtstextdichter und dann auch noch b) als Vollstrecker dieser peinlichen "Gebrauchsprosa" aufzuspielen ist einfach nur erniedrigend. Es ist eine Schande, aus Menschen, die das Zeug zum Lehrer hätten, so etwas zu machen.
Was für ein Segen wäre es doch, es würde da wirklich am nächsten Tag keinen Unterricht geben! Es ist doch wirklich das Dümmste, was man machen kann, sich jeden Tag wieder aufs Neue dieselben Probleme aufzubauen und dann wie ein Baby in der Trotzphase die Schuld nur andern zuzuschieben.
Ich meine, wir Lehrer könnten ganz andere Dinge, wenn wir denn wirklich LEHREN würden. In der Ich-kann-Schule gilt: Probleme ERSCHEINEN nur als SACHprobleme, sie SIND aber immer MENSCHLICHE Probleme. Wenn wir die Augen aufmachen und hinschauen, sehen wir: Die Pädagogik löst immer nur die SCHEINprobleme und hat auf das SEIN keine Antwort. Das geht soweit, dass der "Lehrer" sich nicht nur um das SEIN der Schüler nicht schert sondern auch um das SEIN aller weiteren Beteiligten einschließlich seines eigenen SEINS. Er ist ein totaler SKLAVE DES KONSTRUIERTEN SCHEINS. Das kann sich einfach das Leben nicht gefallen lassen. Jeder Mensch hat in sich eine fürs Überleben zuständige Instanz und die wird dadurch ständig herausgefordert. Unterricht ist dauernde, energieraubende Konfrontation. Durch LEHREN & LERNEN ließe sich der ganze Stress sparen und es würde sich dabei etwas von selbst ergeben und die Atmosphäre vollkommen verändern, was die Schule durch ihren sturen Unterrichtsvollzug unablässig zerstört: SINN.
Mit SINN lernen beflügelt die Kräfte und erspart Energieverschleiß. Unterrichtsvollzugsbeamter oder mitreißender Kinderführer? Führer treiben nicht hinten mit der Peitsche an sondern gehen begeistert voraus.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe